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Bad Kohlgrub

 

Vorchristliche Zeit

Das Dunkel und das Schweigen von Jahrtausenden standen bis in die jüngste Zeit über der Geschichte des landes zwischen Loisach und Ammer. Keines Menschen Fuß schien je die rauschenden Urwälder seiner Hänge und die öden Sümpfe seiner Niederungen betreten und keines Menschen Faust in grauer Zeit mit Hacke und Steinpflug die Scholle gerissen zu haben.
Und doch kam der Mensch schon am Ende der jüngeren Steinzeit in unsere Gegend, wie ein steinerner Knaufhammer bezeugt, der 1938 in Hausen, Gemeinde Wildsteig, Landkreis Schongau, beim erstmaligen Umbrechen der Erde zu Tage gefördert wurde. Er brannte sich Krug und Schüssel und verzierte sie mit Punkten und Strichen, wie Einlagerungen im Tuffsteinbruch zu Polling beweisen. Er jagte hier wohl auch Bär und Eber und treib sein Vieh auf die Flur.

Im 2. Jahrtausend vor Chr. fertigten sich die Bewohner ihre Gebrauchsgegenstände aus Bronze, wovon der jügerbronzezeitliche Dolch aus dem Torfmoor zwischen Ölberg und Rudertsau (Pfarrei Rottenbuch) Zeugnis gibt. Die Toten bestattete man in der späteren Jungsteinzeit und am Beginn der Bronzezeit in liegender Hockerstellung. Acht solche Gräber wurden unweit Ludwigsried (Landkreis Weilheim) entdeckt. Nördlich vom Staffelsee, wo sich die Ebene dehnt um Uffing, Eglfing, Etting, Walterberg und am Riegsee, lagern Grabhügel der Bronze- und Hallstatt (älteren Eisen-)zeit. Erst in jüngster Zeit wurden wieder Gräber auf dem Peißenberg und in Ohlstadt gefunden.

Nach der Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends kamen die Kelten in unsern Gau. Sie waren Meister der Eisentechnik, gewannen das Eisen in großem Umfang und verhandelten es in Form von doppelpyramidenförmigen Barren, deren einer bei Oderding zu Tage kam. Sie schlugen auch die ersten Münzen, die geldenen "Regenbogenschüsselchen". Fünf davon wurden in unserer Pfarrei aufgefunden. Noch halten die Namen der Loisach und Ammer die Erinnerung an die Kelten wach.

Der frühromische Dolch vom Oberammergau und der der gleichen Zeit angehörige Helm italischer Form, der bei Saulgrub gefunden und von Einheimischen getragen wurde, geben Zeugnis von Kämpfen, die damals in unserm Gau ausgetragen wurden. Ein Fund von 793 römischen Münzen (in Privatbesitz), die der Zeit von Kaiser Augustus bis Arcadius angehören, mag hier in unsicheren Tagen vergraben worden sein, ohne daß der Besitzer sie in besserer Zeit wieder an sich nehmen konnte. Einzelne Münzen wurden auch in Oberammergau, Ettal und Murnau zu Tage gefördert. Auf der Insel Wörth im Staffelsee zeigen Rest von Mauern und bemalten Wandverputz, daß einst die Landhäuser der Römer aus dem Grün der Uferhänge leuchteten.

Auf der Via Claudia, einer unserer ältesten Römerstraßen, gleich wichtig für Heer, Verkehr und Handel, waren sie ins Land gekommen, als Soldaten, Beamte oder Kaufleute. Eine zweite wichte Straße führte vom Brenner über Innsbruck = Wilten, den Seefelder Sattel nach Partenkirchen, dann etwa im Zug der heutigen Bundesstraße nach Murnau und weiter nach Weilheim und der Provinzhauptstadt Augsburg. In Raisting, südlich des Ammersees, kreuzte sie die von Salzburg über Gauting nach Epfach am Lech und Kempten ziehende Straße. Am Aufstieg der Römerstraße Partenkirchen - Murnau aus dem Moore auf den Murnauer Rücken muß eine dörfliche Siedlung gelegen sein, die im Gelände noch nicht genau festgelegt ist. Ihr spätrömischer Nachfolger hat sich aber in der Moosbergsiedlung erhalten, die 1926 freigelegt wurde. Zum Moosberg hin führte eine Verbindungsstraße. Von Eschenlohe aus lief durchs Murnauer Moos gegen Aschau hin ein römischer Prügelweg, der 1934 durch den Arbeitsdienst aufgedeckt wurde. Es handelt sich hier wahrscheinlich um den Versuch, über Kohlgrub - Rottenbuch eine Verbindungsstraße nach Epfach zur Via Claudia zu schaffen. Von einer römischen Straße von Oberau über den Kienberg nach Oberammergau - Rottenbuch fehlt bisher jede sichere Spur.

Alle diese Tatsachen lassen den Schluß berechtigt erscheinen, daß der Ammergau, besonders auch die Gegend von Kohlgrub und Saulgrub, in vorgeschichtlicher wie in römischer Zeit begangen und besiedelt war.

An eben dieser Straße, die an des "Rechenmachers" Brünnle vorbei zum "Römerbrunnen" hinausführte, wie die Saulgruber Chronik betont, steigt winige Minuten außerhalb des Riedes aus moosigem Grund ein Bühel empor. Als "Bürgle" ist dieser Hügel heute noch wie vor drei Jahrhunderten bekannt. Eine Römerschanze darin zu vermuten, ist nicht gerechtfertigt. Es mach sich hier, wie bei dem Burgstall unweit der Obernau, um kleine, mittelalterliche, befestigte Anlagen handeln. Doch wird die Zukunft im Ammergau wohl noch mandes lichten aus dem Dunkel der ersten geschichtlichen Jahrhunderte.

 

ab 100 n. Chr.

Um die Zeitenwende leben Kelten, später Römer in unserer Gegend.


um etwa 800

entsteht die erste Ansiedlung. Aus dieser Zeit stammt auch der Ortsname "Kohlgrub" = Grube der Köhler.

Kohlgrub, im Talzug der Lindach, war ursprünglich wohl eine Köhlersiedlung in dem waldreichen Gebiet.
1280 als "Cholgrueb" erstmals erwähnt. Chol ist Holzkohle, grueb ist Grund - Tal, eine sich sanft nach Osten öffnende Mulde. Kohlgrub ist aber viel älter und dürfte in der zweiten Rodungswelle um das Jahr 800 entstanden sein. Die ersten Menschen, die in dieser wald- und damit holzreichen Gegend an der Lindach siedelten, widmeten sich der Köhlerei - dem Holzkohlebrennen. Dieses Gewerbe war anscheinend so Lebensmittelpunkt, dass diese Tätigkeit prägend in den Ortsnamen einging. Das "Grub" in Kohlgrub (Grube der Köhler) kann auf die topographische Gegebenehit (von Saulgrub aus gesehen liegt unser Ort in einer Grube) hinweisen, es kann aber auch auf eine uralte Technik der Kohlebrennens in einer Grube, - und nicht in einem oberirdischen Meiler, zurückzuführen sein. Mehr über Kohlenmeiler ist bei den Köhlern zu finden.


ab 1074

Kohlgrub gehörte, wie der gesamte Ammergau, zu den Eigengütern des Herzogsgeschlechts der Welfen. Unter den Welfen verloren die Bauern ihre Freiheit, wurden "Hörig" - dem Herrn gehörig - also Leibeigen. Der Grundbesitz wurde geteilt, die Grundherrschaften -Adel. Klöster und Kirchen beanspruchten das Obereigentum, dem Bauern verblieb das Nutzeigentum, für die Benutzung des Bodens mußte er Stift oder Pacht zahlen und Fronarbeit leisten. Altes germanisches Recht mußte dem römischen Recht weichen.

Herzog Welf IV., später Welf I. von Bayern, gründete i.J. 1073 das Kloster Rottenbuch. Sein Enkel Welf VI. i.J. 1146 Kloster Steingaden, ehe er sich zu einem Kreuzzug in das "Heilige Land" aufmachte.

Sein Sohn Herzog Welf VII. nahm mit Kaiser Friedrich Barbarossa, gegen den Willen des Vaters, an einem Feldzug gegen den Papst teil. 1167 starb er in Italien an einer Seuche. Sein Vater, untröstlich über den Tod seines einzigen Sohnes, gab 1167 dem Kloster Kempten 14 Eigengüter im Ammergau, demait seinem Sohne ein ewiger Jahrtag gehalten werde. Mit übergeben wruden Menschen, Kirche, Dorf, Wasser und Weide und sieben Höfe in Kohlgrub. Der restliche Welfenbesitz kam durch Erbfolge1191 an die Hohenstaufen und 1268, nach dem Tode des letzten Hohenstaufen - "Konradin" -, an den baierischen Herzog Ludwig den Strengen. Kaiser Ludwig der Bayer stattete damit 1330 sein neugegründetes Kloster Ettal aus. Er gab den Ammergauer Bauern große Privilegien:

  • Das Erbrecht auf iheren Gütern, der Hof konnte einem Erben ohne die Genehmigung der Herrschaft übertragen werden, das Nutzeigentum verkauft, aber nie das Obereigentum erworben werden.
  • Wegfall des Todfalles. Beim Tod des Bauern mußte das beste Stück Vieh der Herrschaft gegeben werden, das war der nachhaltigste Ausdruck der Leibeigenschaft.
  • Das Monopol der Warenführung im Ammergau und die Niederlage der Kaufmannsgüter in Oberammergau.

Kloster Rottenbuch kaufte 1295 das Seelsorgerechts über den Ammergau und 1362 den restlichen Besitz vom Kempten. Seither waren die Kohlgruber teils Ettaler, teils Rottenbucher Grunduntertanen, alle aber dem Klosterngericht Ammergau/Landgericht Murnau unterstellt. Der Spruch "Unterm Krummstab ist gut leben" dürfte für alle gegoltenn haben. Die kirchliche Jurisdiktion über die Dekanate Rottenbuch und Werdenfels übte seit 1140 der Probst und Achidiakon (Vertreter des Bischofs) aus. Rottenbuch war kein Mönchskloster, sondern ein Chorherrenstift, das seine Aufgabe in der Seelsorge und Jugendbildung hatte.

 


ab 1509

In Kohlgrub ist schon im 16. Jahrhundert eine "Deutsche Schule" bezeugt. Der Kosteraufhebungskommissär stellte 1803 fest: "Es ist kaum ein Bauer anzutreffen, der nicht lesen und vortreffliche rechnen kann". Hier ist der segensreiche Einfluß vom Kloster Rottenbuch zu erkennen. Die Struktur des Dorfes war durchh die vielen Güterteilungen kleinbäuerlich, heute würde man sagen Nebenerwerbsbetriebe.


um 1633

im Gefolge des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) immer wieder Einquartierungen und Plünderungen.

In Kohlgrub ist schon im 16. Jahrhundert eine "Deutsche Schule" bezeugt. Der Kosteraufhebungskommissär stellte 1803 fest: "Es ist kaum ein Bauer anzutreffen, der nicht lesen und vortreffliche rechnen kann". Hier ist der segensreiche Einfluß vom Kloster Rottenbuch zu erkennen. Die Struktur des Dorfes war durchh die vielen Güterteilungen kleinbäuerlich, heute würde man sagen Nebenerwerbsbetriebe.


ab etwa 1700

nachgeborene Bauern- bzw. Söldnersöhne sind als Bader, Tuch-, Sensen- und Buchhändler im südosteuropäischen Raum tätig.

Der Bader

Der Bader, ein alter, heute ausgestorbenes "Handwerk des Körpers", hatten in Kohlgrub eine lange Tradition. Er war seit dem Mittelalter sowohl in den Städten, als auch auf dem Lände ein unentbehrlicher Helfer für die Gesunderhaltung der Bevölkerung. Damals gab es ja kaum akademisch gebildete Ärzte und wenn es sie gab, hatten sie ihre Praxen in der Städten. So genoß der "Bader" in der Dorfgemeinschaft Ansehen, und er wurde wegen sein unfallchirurgischen und allgemeinen medizinischen Kenntnisse und Fertigkeiten oft auch, mehr oder weniger respektvoll, "Herr Doktor" gerufen. Der Bader war ein Handwerker, er betrieb ein Ladengeschäft, in dem er Reinigungsbäder anbot, rasierte, den Kunden die Haare schnitt, Wunden verband. Er renkte Glieder ein, schiente gebrochene Beine und Arme, entfernte Warzen, ließ Patienten zur Ader (Aderlaß), schröpfte, verabreichte Einläufe, schnitt Geschwüre auf, zog eitrige und schmerzende Zähne, schnitt Hühneraugen aus, war Starstecher (Augenbehandlung) und Bruchheiler.

In der Medizingeschichte wird er als "Handwerkschirurg" bezeichnet und zählte wie die Apotheker und Hebammen zu den niederen Heilpersonen. Niedrig deshalb, weil er nur "niedere, kleine Eingriffe" tätigen durfte. Ursprünglich bot der Bader, wie der Name sagt, Bäder, Reinigungsbäder mit heißem Wasser, aber auch Dampfbäder, ähnlich der heutigen Sauna, an. Für die Bader gab es seit dem Mittelalter eine eigene Zunftorndung und strenge Berufszulassungsbestimmungen. Bader wurde man durch eine 3-4 jährige Lehrzeit.

Der Weg zur Selbstständigkeit war meist recht schwierig. Entweder ging das Geschäft vom Vater auf den Sohn über oder es wurde durch Einheirat weitergeführt. Das Zunftzeichen der Bader war ein Becken, ein blanker Messing-Kupfer- oder Silberteller, wie man ihn heute gelegentlich noch bei Frisören sehen kann. In diesem Becken schlug der Bader die Seife zum Rasierschaum und es wurde mit einer sichelförmigen Einbuchtung an die zu rasierende Hautpartie gedruckt.

In einem kleinen Ort wie Kohlgrub gab es nur einen einzigen Bader und fast jeder Ort hatte seinen eigenen. Das allein rechtfertigt es nicht, dass dieses Handwerk hier so herausgestellt wird. Zwei Punkte aber sind erwähnenswert und machen diesen Beruf für die Kohlgruber Geschichte wichtig.

In den Sterbematrikeln unserer alten Kirchenbücher lesen wir immer wieder von gebürtigen Kohlgrubern, die in die Welt hinauszogen und vor allem im Süd-Osteuropäischen Raum wirkten. Hier einige Beispiele:

1751 Josef Mangold von der Schönau, Bad in Raab-Ungarn.
1754 Josef Gastl, Bürger und Bad in Preßburg/Ungarn.
1757 Anton Mangold gewester Bader zu Schönau/Untere Pfalz.
1784 Johann Köpff, Bader zu Agram

Es scheint also im Ort nicht nur Tradition für Bader gegeben zu haben. Auch die Ausbildung mußte gut und umfassend gewesen sein, sonst hätten die erwähnten Kohlgruber mit ihrem Handwerk nicht in Städten Fuß fassen und sich behaupten können.

In Kohlgrub hat sich der Hausname "zum Bader" Prentstr. Nr. 4 bis in unsere Zeit erhalten.

 

Buchhändler 

Weil sich die Menschen immerzu mehrten und die Feldmarken zwischen den Wäldern, Bergen und Mooren nicht mehr erweitert werden konnte, so mußten viele aus dem heimatlichen Dorf hinaus in die Fremde. 1740 sind viele ganz desparat und sehen sich gezwungen "auszuwandern". So berichtet Luitraud Ober über die wirtschaftliche Situation Kohlgrubs in der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Und allsonntäglich gedachte die Heimat beim Pfarrgottesdienst der vielen "aus der Pfarr zu Wasser und Land Reisenden", beten für jene, die in der Ferne gestorben waren, heimattreu und oft heimwehkrank.

Wie in vielen anderen oberbayerischen Dörfern am Gebirg' wuchsen auch in Kohlgrub zwei Arten von Menschen heran. Die einen, die Beharrenden, krallten sich am Boden fest und mühten sich. Zu ihnen gehörten die Bauern, die erstgeborenen Hoferben und ein paar wenige Handwerker, die die Werkstatt von ihrem Vater oder durch Einheitrat übernehmen konnten.

Zu den Beharrenden gehörten auch die Häusler, denen ihr kleines Bauernsach zum Leben nicht ausreichte. Sie verdingten sich, so gut es ging, in der Nachbarschaft als Lohn- und Saisonarbeiter oder übten ein zusätzliches Handwerk aus.

Armut treibt die Kohlgruber in die Welt hinaus
Zu den "Heimattreuen" gehörten auch die vielen nachgeborenen Töchter und Söhne, die nur ein kleines "Muttergut" erbten und sich nun ihren Lebensunterhalt als Mägde und Knechte auf den großen Höfen des Oberlandes verdienen mußten. Da auch diese Arbeitsplätze rar waren und die Bauern aus einer Vielzahl von Bewerbern wählen konnten, versuchten die Mutigeren unter ihnen ihr Glück in der Ferne.

Da war es gut, dass die Dörfler unter dem Hörnle sich leicht zu helfen wußten. "Tenkawatschln" (linkische, ungeschickte Menschen, mhd. Tenke = linke Hand) gab es unter den Kohlgrubern nur wenige. Das Einschreiben bei den Soldaten oder das Auswandern gehörte zu den Möglichkeiten, aber es gab auch andere, die auch den Kohlgrubern gefallen haben.

Zum Beispiel die Arbeit als fliegende Buchhändler. Im Frühjahr machten sich die Kohlgruber auf den Weg nach Kempten oder meist ins nahe Augsburg, einem der Zentren der Buchdruckerei im 18. Jahrhundert. Hier beluden sie ihre Kraxen mit Büchern und wanderten ins Reich hinaus, von Ort zu Ort. Sie boten denen, die lesen konnten und die begierig auf die neuesten Druckerzeugnisse warteten, ihre Bücher an.

Für die Analphabeten, damals immer noch die Mehrheit der Bevölkerung, hatten sie Bogen mit Bildergeschichten parat, aus der Bibel, vom bäuerlichen Leben oder den Handwerksberufen. Die erklärte der Vater seinen Kindern abends beim fahlen Licht des Kienspans.
War die Kraxe leer, kehrte der Buchhändler zum Verleger zurück, rechnete ab und wanderte mit dem Lohn ins heimatliche Kohlgrub, um im nächsten Frühjahr wieder auszuziehen.

Unter den "Buchhausierern" gab es immer wieder welche, die auch im heutigen Sinne, in einer großen Stadt, zu Buchhändlern wurden. Das Jahrbuch des Eusebius Mehrle und das Quatemberbuch nennt u.a. folgende in Kohlgrub gebürtige Buchhändler:

Mathias Reiger, Buchhändler zu Augsburg, verst. 1794.
Josef Benedikt, Buchhändler zu Wien, verst. 1831.
Augustin Mayr, Buchhändler zu Preßburg, verst. 1801.
Johann Michael Mayr, Buchhändler zu Raab in Ungarn, verst. 1801.
Josef Lindauer, bürgerlicher Buchhändler zu München, verst. 1803 (später Lindauersche Universitätsbuchhandlung)

  

1731 - 1880

Glashütte in Aschau, der Hörnlewald liefert das nötige Brennmaterial.


ab 1775

Salzstraße von Murnau über Kohlgrub nach Bayersoien.

Das "Weiße Gold"

Salz ist heutzutage selbstverständlicher Teil unseres Lebens. Wir brauchen es, um zu überleben und benützen meist zuviel davon. Es hilf heilen, etwa bei Krankheiten der Atemwege. Früher war Salz beinahe das einzige Mittel zur Konservierung von Lebensmitteln und damit Grundlage der Vorratswirtschaft. Und heute ist Salz eine wesentliche Voraussetzung für die Herstellung vieler Produkte, von der Seife bis zum PVC. Die chemische und pharmazeutische Industrie gehört zu den Großverbrauchern von Salz. Salz ist reichlich vorhanden. Wir kaufen es ein, ohne darüber nachzudenken. Früher war dies ganz anders. Salzgewinnung und -transport war schwierig und mühsam. Deshalb galt Salz früher als das "Weiße Gold". Wertvoll, selten, teuer: Auch Kohlgrub verdiente am Salztransport von der Saline in Rosenheim über Bad Tölz, Füssen und Lindau in die Schweiz:
Im Jahre 1775 ist die erste, winters wie sommers passierbare Verbindungsstraße gebaut worden. Sie mußte von den Anliegergemeinden erhalten werden. Die Kohlgruber traf damals eine Lieferung von 390 großen Kieshaufen, die vorher über ein Wurfgitter gereinigt worden waren: Dafür allerdings eröffnete die "Salz-Vicinalstraße" gute Verdienstmöglichkeiten für die Bauern und Taglöhner des Ortes, denn sie durften das Salz von nun an in Murnau abholen und bis zum Salzstadel in Soyen liefern, von wo es nach Steingaden weitertransportiert wurde. Das gab guten Verdienst und bald stand in jedem Stall mindestens ein Salzrößl. Da der Salztransport zu etwa zwei Dritteln im Winter vonstatten ging, waren die Bauern in dieser arbeitsfreien Zeit froh um den Zugewinn. Das Geschäft mit dem Salz funktionierte leider nur bis 1830, als mit der Neuordnung des Transportwesens das "Weiße Gold" ohne Unterbrechung von Tölz nach Steingaden geführt wurde. Kaum 30 Jahre später allerdings wurde die erste Kurbadeanstalt eingerichtet, die, zusammen mit dem baldigen Eisenbahnbau, dem Ort zu neuer Blüte verhalf. Vom Salz selbst ist heute in Bad Kohlgrub nichts mehr zu sehen.

 


1835

Gründung einer optischen Glasschleiferei (Herstellung von Fernrohren) im Ortsteil Gagers.

Von der Glasschleiferei zum Kuretablissement

Kloster Ettal hatte 1731 in der Aschau, am nördöstlichen Fuß des Hörnle (am sogenannten Fuchsloch) zur Verwertung der großen Holzvorräte eine Glashütte gegründet. Nachdem bereits seit 1818 im benachbarten Benediktbeuren der bekannte Physiker und Glasschmelzer Joseph Fraunhofer seine Forschungen betrieb und schlierenfreies Glas gewann, bot sich zur Weiterverarbeitung des Aschauer Glases 1835 die Gründung einer optischen Glasschleiferei an. Diese kleine Fabrik im Kohlgruber Ortsteil Gagers, unter Leitung des 1793 hier geborenen Martin Wörle, der in Benediktbeuren die Ausbildung absolvierte, beschäftigte zeitweise 80 Glasschleifer.
Erzeugnisse dieser Werkstätte gingen mit der Signatur "M. Wörle, Kohlgrub bei München" in alle Welt, u.a. Marinefernrohre, Jagdfernrohre, Dialyten, Linsen, Lupten, Brillengläser, Objektive ...

Nachh dem Tod von Wörle 1841 wurde die Produktion des Betriebes nach München verlegt und die Betriebsgebäude standen zur Versteigerung. Der königliche Advokat und Syndikus, Dr. Simon Spengel aus München erwarb 1859 die Liegenschaften.

Eine Weiterführung der Produktion war ihm aber nicht möglich. Einer der letzten Glasschleifer, Augustin Kienzerle, der noch im Betrieb tätig war, übernahm die Hausmeisterstelle. Er machte Dr. Spengel auf die heilenden Wasser der Stahlquellen aufmerksam, faßte sie 1868, und hatte die Idee, diese Heilquellen als Kurmittel zu verwenden. 

 

 

1870 

Entdeckung von Stahlquellen und Moor als Heil- und Kurmittel.

Am 2. Mai 1870 ging beim Kgl. Bezirksamt Schongau ein Gesuch des kgl. Advokaten Dr. Simon Spengel aus München ein, zur "Errichtung einer Mineralwasser-, Molken- und Kräutersaft Curanstalt zu Kohlgrub", unter Leitung von Kurarzt Dr. Liegl. 10 Tage später ist von dieser Stelle die Genehmigung erteilt.

Zu der guten Nachricht gesellte sich aber bald eine schlechte, wie in der Pfarrchronik für 1870 nachzulesen:
Im Juli, gerade am Skalpulierfest, kam die Kriegskunde nach Kohlgrub. 46 Kohlgruber mußten einrücken ...

In den Aufzeichnungen von Dr. Spengel lesen wir um diese Zeit: "Am 8. Juli habe ich das Bad eröffnet, nach 10 Tagen brach der Kieg aus, ein Teil der Kurgäste flüchtete, bis Ende August waren es trotzdem 51 Gäste." Und weiter lesen wir: "Immerhin wurden in diesem ersten Jahre 130 Stahlbäder und über 300 Reinigungsbäder abgegeben." Zu dieser Zeit wurde auch Wasser der Stahlquelle Nr. 1 in Flaschen abgefüllt und nach München versandt.

Die damaligen Zustände im Bad werden von Chronisten als primitiv bezeichnet. Die Badekabinen waren aus rohem Fichtenholz gezimmert, das zum Baden benötigte Heißwasser "mußte aus der im Vorderhause befindlichen Küche in großen Häfen zu den Wannen, wleche sich im rückwärts befindlichen Badehaus befanden, geschleppt werden, was stets sehr lustig anzusehen war ..."(!) Im ersten Stock des Kurhauses befand sich ein Kursaal, im Erdgeschoß lagen acht große Zimmer, die aber aus Mangel an Einrichtungsgegenständen noch nicht bewohnbar waren. Dr. Spengelsche Curanstalt
Dr. Spengel ließ aus diesem Grunde 1870 im Dorf 61 Zimmer "recherchieren". Der erste Gast, der im Kurhaus logieren konnte, war 1873 Dr. Badstieber, der Direktor der Bayerischen Ostbahnen. Zum Essen und Trinken, zum fröhlichen Beisammensein traf man sich beim "Unterwirt, dem heutigen "Schwarzer Adler" und besonders beim "Oberwirt", dem Hotel "Zur Post".

Wie am Anfang vieler wichtiger Entwicklungen wäre es auch in Bad Kohlgrub vielleicht mit Bad und Kur nichts geworden, wenn es nicht ein paar sture, eigensinnige Männer gegeben hätte, die an ihre Entdeckung geglaubt haben und gegen viele Widerstände um ihr Bestehen kämpften.
Diese drei haben sich um das Heilbad Kohlgrub in seinen Anfangsjahren besonders verdient gemacht:
Dr. Simon Spengel - August Kienzerle - Prof. Dr. Eduard Reichardt 

 

 

1878

Ortsteil Gagers erhält von der Kammer des Innern des Königreiches Bayern den Titel "Bad" verliehen.

 

 

1900

Kohlgrub hat 1018 Einwohner und 406 Gästebetten. 

Das Bayerische "St.Moritz"

Kohlgrub war von München mühelos mit der Bahn zu erreichen, war doch schon 1879 die Eisenbahn von München bis Murnau fertiggestellt worden. Und seit 1888 befand sich im Kurhaus eine eigene Post- und Telegraphenstation. Es ist nicht verwunderlich, daß die Zahl der Kurgäste zunahm, und der Ort auch für den Wintersport entdeckt wurde. Der rührige Kurarzt Dr. Gabler warb in vielen Städten Bayerns und schwärmt vom "bayerischen St. Moritz". Und wieder lassen wird einen Chronisten zu Wort kommen: "Am 5. April 1900 fuhr der Eröffnungszug der Bahnlinie Murnau - Oberammergau mit bekränzter Lokomotive und herrlichen Wagen im hiesigen Bahnhof ein ... Bei der Rückkehr am Nachmittag entstiegen an der Haltestelle Bad Kohhlgrub sämtliche Insassen dem Festzuge, um auf Einladung des Herrn Kommerzienrates Kummer an dem im Badhotel bestellten Festdinner teilzunehmen. Im Saale ging es hochfein her ... Rede auf Rede wurde gehalten, Toaste ebenso viele angebracht. Bei animiertester Stimmung hätten bald manche den Entführungszug nach Murnau verpaßt." Hauptinitiator der neuen Bahnstrecke war der bekannte Münchener Kunsthändler Heinrich Baumgartner, der 1871 der Lindenschlößchen erbauen ließ, sich als entscheidender Förderer des neuen Bades erwies. Er gab den Anstoß zur Gründung des Verschönerungsvereins und hatte große Pläne für den Ort. So um 1910 projektierte er eine Zahnradbahn auf das Hörnle und eine Eisenbahnverbindung von Kohlgrub nach Steingaden und weiter nach Lechbruck. Leider wurden diese Pläne durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges zur Illusion.

1908 konnten an den Hängen des Hörnle unter Leitung des legendären Skipioniers C.I. Luther die ersten Deutschen Skimeisterschaften auf bayerischen Boden ausgetragen werden. Auf gepflegtem Eisplatz zogen u.a. schwedische Kunstläufer ihre Kreise. Ergänzt wurden diese Möglichkeiten durch die Anlage von Rodelbahnen, z.B. einer zwei Kilometer langen "Bobsleighbahn" von Sonnen zum Kurhaus. Schlittenfahrten nach Achele oder Unternogg zu köstlichen Forellenessen, Nachmittagskaffee oder handfesten Brotzeiten brachten Abwechslung in die winterlichen Tage. Winterkuren waren ja seit deren Propagierung durch den Bad Wörishofener "Wasserpfarrer Kneipp" im Mode gekommen und versprachen erhöhten Heilerfolg.

 


1908

Erste deutsche Skimeisterschaft auf bayerischem Boden an den Hängen des Hörnle unter Leitung des legendären Skipioniers C.I. Luther.

 


1914 - 1918

Aus dem Ersten Weltkrieg kehren 59 Kohlgruber nicht mehr zurück. 

Mit dem 1. Mobilmachungstag, dem 2. August 1914, wurde der florierende Kurbetrieb jäh beendet. Viele Kohlgruber wurden zu den Waffen gerufen, 59 von ihnen mußten ihr Leben auf den Schlachtfeldern Europas lassen. Ab 1915 wurden die Badeeinrichtungen und Unterkünfte des Fallerschen Kurhauses als Genesungsheim für erholungsbedürftige Soldaten verwendet. Zwischenzeitlich war Kohlgrub auch Standort für das bayerische Schneeschuhbataillon.

In der Badeabteilung des Kurhauses wurde noch bis 1922 die "Schützengrabenkrankheit" (Rheuma) kuriert.

Nachkriegszeit, Inflation und politische Wirren brachten große finanzielle Belastungen für den aufstrebenden Kurort. Schicksalschläge waren in diesen Jahren das Ableben von Herrn Bruckmiller (1920), Herrn Faller (1923) und Herrn Baumgartner. Diese drei Persönlichkeiten hatten entscheidenden Anteil an der ersten Blütezeit Kohlgrubs als Kurort.

Frau Maria Faller, schon hochbetragt, suchte unter größten Schwierigkeiten das Erbe bestmöglich weiterzuführen, und es herrschte bei der charmanten Gastgeberin reges Leben im Kurhaus. Inzwischen erhielten die Moorbadeabteilung des "unteren", alten Kurhauses und des "oberen Kurhauses", das seit 1918 eine Moorbadeabteilung betrieb Konkurrenz: Frau Käthe Kreuzer und der in Kohlgrub tätige prakt. Arzt, Dr. Karl Gehm, eröffneten 1927 das (heute nicht mehr bestehende) Kurheim "Gagershöh" mit einer Hausbadeabteilung. 1932 erwirbt Frau Else Windheuser aus Dortmund den gesamten Besitz (Gebäude, Wälder und Wiesen), inzwischen ein Areal von rd. 50 ha. Es war in diesen Jahren der Weltwirtschaftskrise, in denen es kaum Zukunftsperspektiven gab, geradezu ein Wunder, daß sich für die zur Versteigerung stehenden Gebäude, die sich in einem doch recht desolaten Zustand befanden, ein Käufer fand. Und dieser Käufer, eben Frau Windheuser wollte neues Leben, Zukunft in das Bad unterm Hörnle bringen.

 


1939

Kohlgrub hat 1.241 Einwohner und 885 Gästebetten. 

Es kommt die "neue Zeit"

Diese tatkräftige und ihrer Zeit vorausdenkende Perönlichkeit nimmt zunächst eine vollständige Renovierung der Wohn- und Badegebäude in Angriff, ohne dabei den historischen, äußeren Charakter der Häuser zu verändern. Die Moorbadeanlagen erhielten geflieste Badekabinen und Einbauwannen, eine moderne Mooraufbereitungsanlage wurde installiert und die Stahlwasserquelle sprudelte nun aus einem künstlerisch gestalteten Marmorbrunnen. Neben den Gebäuden wurde eine naturnaher, großzügiger Kurpark angelegt.
Der gastronomische Ruf des Hauses, die freundliche Atmosphäre im Restaurant (hier wirkte jahrzehntelang Michael Leiß als guter Geist), die sorgfältige medizinische Betreuung durch Dr. Pinggera und Dr. Otto Neumeier und das umsichtige und hilfsbereite Badepersonal - hier erfreute sich der langjährige Bademeister und Masseur Leonhard Schellinger ebensolcher Beliebtheit wie sein Vorgänger Herr Faltermeier - machten das Bad unterm Hörnle immer bekannter.

Das Kurgeschehen weitete sich ab 1934 entscheidend aus. Am 12.7.1934 eröffnete Herr Eduard Schlichting mit seiner Ehefrau Dora im Ortskern an der St. Martinsstrasse das Kurbad Sanitas. Neben der Verabreichung von Stahl- und Moorbädern standen dort auch Gästezimmer zur Verfügung. Auch das "Hotel Lindenschlößchen" unter Leitung der Familie Gannss erhielt eine eigene Moorbadeabteilung. In vielen Häusern des Dorfes wurden nun Fremdenzimmer eingerichtet und vermietet. Die Kurgäste nahmen ihre Anwendungen jetzt auch ambulant in den eingeführten Badebetrieben. Die Gemeindeverwaltung mit einer kleinen Kurverwaltung und der Kur- und Verkehrsverein (ursprünglich hieß er Verschönerungsverein) bemühten sich, den Gästen einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen. Das Spazierwegenetz wurde ausgebaut und gepflegt und mit Ruhebänken bestückt. Trachtenverein und Blaskapelle gestalteten die Heimatabende. Mit Werbeaktionen wurde in Deutschland auf Kohlgrub aufmerksam gemacht.

 


1941

Das Kurhaus im Ortsteil Gagers wird Lazarett. 

Ein Lazarett, viele Flüchtlinge und immer wieder ein Neubeginn

Ab September 1939 kamen, bedingt durch die vielfältigen Einschränkungen und Belastungen, die der 2. Weltkrieg mit sich brachte, immer weniger Kurgäste zur Kur nach Kohlgrub. Nachdem 1942 der gesamte Kurhausbetrieb in ein Lazarett der Luftwaffe übergeführt worden war, schien es, als ob für den Kurort Kohlgrub die Lichter aufgegangen seien. Aber vor allem die Frauen hielten, trotz aller Beschwernisse, den Kurbadebetrieb auch für Zivilpersonen aufrecht: in der Gagershöhe Frau Käthe Kreuzer und im Sanitas Frau Dora Schlichting.
Ab dem Kriegsjahr 1943 kamen auch immer mehr Frauen mit Kindern und ältere Menschen aus den zerbombten Städten des Reiches nach Kohlgrub und fanden Schutz und Unterschlupf. Der Kurbetrieb ging auf Null zurück. Am 29. April 1945 erlebte Kohlgrub durch den Einmarsch amerikanischer Truppen das langersehnte Ende des 2. Weltkriegs, der auch über diesen Ort unsägliches Leid bracht, 105 Männer aus dem Dorf kehrten nicht mehr in die Heimat zurück. Zunächst schien die Zukunft des Kurbetriebs beendet.

Das Lazarett wurde unter Bewachung der Amerikaner fortgeführt. Im Oktober transportierte die Besatzungsmacht die verwundeten Soldaten ab, um Platz für ein Lager gefangener deutscher Generale zu schaffen. Später übernahm dann die UNRA die Gebäude des Kurhauses für politische Flüchtlinge. Ab September 1946 waren die Gebäude des "Unteren Kurhauses" erste enge, aber sichere Heimat für Vertriebene aus dem Sudetenland und Schlesien. Aber nicht nur im "Unteren Kurhaus" fanden Heimatvertriebene ein Dach überm Kopf, es gab kaum ein Haus im Dorf, in dem nicht Flüchtlingsfamilien eingewiesen wurden. 1939 zählte Kohlgrub 1.241 Einwohner, und 820 Heimatvertriebene wurden in diesem kleinen Ort aufgenommen!

Im März 1946 erhält Kohlgrub von der US Militärregierung die Genehmigung, in beschränktem Umfang den Kurbetreib wieder aufzunehmen, 11 Monate nach Kriegsende! Das war auch dem Eifer und der Risikobereitschaft der Bevölkerung und dem damaligen Bürgermeister Georg Rief mit seinem Gemeinderat zu verdanken.

Am 30.6.1948 konnte das "Obere Kurhaus", unter Leitung von Frau Windheuser, seine Pforten für den Kurbetrieb wieder öffnen. Viel Arbeit und Engagement waren nötig, um all die Spuren, die Lazarett, Gefangenenlager und UNRA hinterlassen hatten, zu beseitigen und ein freundliches Ambiente für kranke Menschen, die aus den zerbombten Städten kamen, zu schaffen. Nach dem Deutschen Bäderverzeichnis standen 1948 insgesamt 120 Betten zur Verfügung.

Das "Untere Kurhaus" war weiterhin mit den Familien aus dem Sudetenland und Schlesien belegt. Die Währungsreform am 20.6.1948 entließ alle Deutschen zunächst mit 40 Deutschen Mark "Kopfgeld", finanziell auf unterstem Niveau gleichgestellt, in eine mehr als ungewisse Zukunft. Trotzdem kamen über 900 Kurgäste in diesem Jahr nach Kohlgrub.

Es gab viele Bürgerinnen und Bürger, die trotz existenzieller Not über den eigenen Tellerrand hinaussahen. So wurde nach Wiedergründung des Kur- und Verkehrsvereins 1948 mit einer bescheidenen Gästebetreuung begonnen: Theateraufführungen, Kurkonzerte mit der Blaskapelle, Vorträge und die Einrichtung von Leseräumen gehörten dazu, und der erste Kuranzeiger mit Gästelisten wurde veröffentlicht.

 

 

1939 - 1945

105 Kohlgruber und 35 Heimatvertriebene fallen auf den Schlachtfeldern Europas.

 


1945 - 1948

820 Heimatvertriebene und andere Flüchtlinge aus dem deutschen Osten, vor allem aus dem Sudetenland und aus Schlesien, finden in Kohlgrub eine neue Heimat.

 

 

1948 

der gesamte Ort erhält vom Innenministerium des Freistaates Bayern den Titel "Bad" verliehen.

Der ganze Ort wird Bad

Was in diesen Wochen und Monaten auf die Beine gestellt wurde, war schon erstaunlich. Es schien wie ein Wunder, daß nach der Antragstellung durch Bürgermeister Josef Wiedemann bereits mit Urkunde vom 13. Juli 1948 vom Bayerischen Staatsministerium des Innern dem ganzen Ort das begehrte Prädikat "BAD" verliehen wurde. Bisher hatte ja nur das Kurhaus im Orteil Linden das Recht, den Titel "BAD" zu führen.

Die Gemeinde feierte diesen Geburtstag am 20. Oktober 1948 im Gasthof zur Post. Auf der Gästeliste standen u.a. die Mitglieder der Bayerischen Staatsregierung, Innenminister Willi Ankermüller und Justizminister Dr. Josef Müller, der legendäre Ochsensepp, Landrat Dr. Kessler, Dr. F. Eckert, Vertreter des Balneologischen Instituts und Dr. Souci, der Leiter der deutschen Forschungsstelle für Lebensmittelchemie der Ludwig Maximilian Universität München, der auch den Festvortrag hielt. Musikalisch umrahmt wurde dieses Fest von der Blaskapelle Bad Kohlgrub, und als Besonderheit vermerkte der Chronist Dr. Otto Neumeier "erstmals nach dem Kriegsende wurde eine 'markenfreie' Brotzeit serviert". 
In den folgenden Jahren erweiterte sich das Bettenangebot. Aus Häusern mit Zimmervermietung entwickelten sich Fremdenheime, Pensionen, Hotels, die z.T. auch die Kuranwendungen in eigenen Badeabteilungen anboten. Aber nicht nur Fremdenverkehrsbetriebe vergrößerten sich, auch für und von den Heimatvertriebenen entstanden Häuser im Rahmen von Siedlungen mit Unterstützung der Bundes, des Freistaates Bayern, der Gemeinde mit ihrem Bürgermeister Hans Reiner und durch die örtliche "Siedlungsgenossenschaft Prent", unter Leitung von Hans Stöger. So konnte 1964/65 das nun von Heimatvertriebenen geräumte, aber inzwischen baufällig gewordene "Untere Kurhaus" abgebrochen werden. Leider verschwand damit auch ein Stück Orts- und Kurgeschichte.

In dieser Zeit zeigten die Stahlquellen gewisse Erschöpfungstendenzen, und so mußte die Verabreichung von Stahlbädern im Kurhaus und im Kurbad Sanitas eingestellt werden.

 

 

ab 1948

die Infrastruktur des Ortes wird modernisiert und erweitert:

 

 

1953/54

Bau einer Sesselbahn auf das Hörnle.

Geschichte der Hörnle Schwebebahn 

 

ab 1959

Anlage des Kurgartens mit dem "Haus der Kurgäste". Erneuerung und Ausbau der Wasserversorgung und Kanalisation. Bau der Grund- und Hauptschule mit Turnhalle. Erstellung des Sport- und Freizeitzentrums "Am Erle". Bau des Kurpark-Restaurant-Cafes mit großem Saal, Schützenstube und Gemeindebücherei. Neubau einer Kläranlage. Bau eines Feuerwehrgerätehauses. Ausbau des Straßen- und Wanderwegenetzes.

 

 

1994

Bad Kohlgrub hat 2.190 Einwohner und 3.100 Gästebetten. Es konnten 25.000 Gäste begrüßt und 481.000 Übernachtungen registriert werden.